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Pfifferlinge aus Osteuropa sind manchmal strahlenbelastet.
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29.03.2009
Der Reaktor lebt und tötet weiter

London (dpa) Auch mehr als 20 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl dezimiert die radioaktive Strahlung die Zahl der Insekten in der Region. Das hat eine Zählung bei Hummeln, Schmetterlingen, Libellen und Grashüpfern gezeigt.


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Kinder als Geiseln - Schluss mit “Tschernobyl” ? PDF Drucken E-Mail
Kinderreisen
Dienstag, den 02. Dezember 2008 um 21:16 Uhr

Bundesarbeitsgemeinschaft

Den Kindern von Tschernobyl

In Deutschland e.V.

 Partnerin der Belarussischen Gemeinnützigen Stiftung
"Den Kindern von Tschernobyl" Minsk
 
Vorstand.
Prof.Dr.Erika Schuchardt, Hannover
Prof.Dr.Helge Schenk, Göttingen
Frank Nägele, Solingen
Ursula Steuernagel, Lüneburg
 Burkhard Homeyer,1.Vors , Münster

Karl-Immermann-Str.28, D-48165 Münster
Tel +49-2501-70927  Fax ~27417
E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Münster, den 28.11.2008

Zum angedrohten Ende der Erholungsreisen von Tschernobylkinder ins Ausland

Alle Jahre wieder versucht das Regime in Weißrussland Schluß zu machen mit den "Kindererholungsreisen ins Ausland". So hat Präsident Lukaschenko es vor vier Jahren in einer Parlamentsrede ganz offen gefordert, angedroht, angeordnet. Heute sehen wir, wie dies in die Wirklichkeit umgesetzt wird. Die Kinder sollen nicht mehr oder nur zu Bedingungen reisen dürfen, die der Präsident per Dekret festsetzt. So bewegt auch in Deutschland Tausende Menschen in Initiativen, Kirchengemeinden, Partnerorten, Gasteltern und lokale Öffentlichkeit die bange Frage, werden die Kinder 2009 noch kommen?
Freilich ist das, was jetzt geschieht, nicht neu. Vor zehn Jahren schon standen die Tschernobylinitiativen in Deutschland vor einer ganz ähnlichen Situation. Die deutsche Politik reagierte damals sofort. Außenminister Kinkel wandte sich mit einer entschiedenen Note sofort an die Regierung in Minsk: Bitte Hände weg von den "Kindern von Tschernobyl" Er tat dies im Rahmen eines schon von Außenminister Genscher geschlossenen bilateralen Abkommens zwischen Belarus und Deutschland, dem "Memorandum of Understanding" von 1994, das gleichsam als Schutzschild gedacht war.

Wieder ist auch und gerade heute die Politik in Berlin gefragt. Zu prüfen ist ein neuer Vertragsentwurf, den das Regime in Minsk allen Staaten vorlegt, in die die Kinder reisen. Konkreten Anlaß dazu soll der Fall  eines weißrussischen Kindes sein, das nicht mit seiner Gruppe aus den USA zurückgekehrt ist. Nun soll überall eine Staatsgarantie abgegeben werden, daß alle Kinder zurückkommen. Unter der Hand aber wird alles in einen Vertragsentwurf mit eingepackt, was schon immer Ziel war, um Schluß zu machen. Womit?
Erholungsreisen der Tschernobylkinder wurden und werden (noch) getragen von zivilgesellschaftlichen Initiativen und Organisationen - zuerst in Belarus selbst von einer Selbsthilfe-bewegung gegenüber einem autoritären Staat, der das totale Schweigegebot über "Tschernobyl" verfügt hat. Diese Selbsthilfegruppen fanden zunächst zusammen in der Belarussischen Gemeinnützigen Stiftung "Den Kindern von Tschernobyl" mit Sitz in Minsk - ein Netzwerk in ganz Belarus, vor allem in den verstrahlten Zonen, aus denen die Kinder kamen und kommen.
Schluß sein sollte und soll mit den "Kindern von Tschernobyl" - mit dieser zivilgesellschaftlichen Selbsthilfebewegung von besorgten und engagierten Bürgerinnen und Bürgern. Schluß. Und wo Kindererholungsreisen (noch) stattfinden, „müssen“ sie nach dem Willen des weißrussischen Präsidenten  unter staatliche Kontrolle gestellt, gleichsam verstaatlicht werden. Staatliche Stellen wählen  dann die Kinder aus, bestimmen, wer als Betreuer oder Dolmetscherin mitreisen darf, und wie die Partnerschaft auszusehen hat. Ein jüngstes Dekret des Präsidenten, das Dekret 555 macht sehr deutlich, wie die staatlichen Order aussehen: massive Beschränkung von Menschen- und Kinderrechten wie Reisefreiheit und Rechtes auf Gesundung . Kinder als Geiseln?
Mehr noch: der vorgelegte Staatsvertrag fordert gleichsam die "Verstaatlichung" auch unserer zivilgesellschaftlichen Initiativen in Deutschland. Verträge bei den Erholungsreisen waren schon bisher üblich, geschlossen aber zwischen den Initiativen hier und dort, und mussten den belarussischen Behörden vorgelegt werden. Schon das öffnete die Tür zu allerhand Schikanen.  Jetzt aber soll auch bei uns der Staat direkt eintreten und wir, die deutschen  Initiativen "verstaatlicht" werden, angebunden zugleich an die staatlichen Behörden in Belarus, die alles und überall „kontrollieren“ wollen – Gerichtsstand Minsk.
In Italien gibt es in der Tat staatliche Programme, über die Kinder reisen und an Gasteltern behördlich verteilt werden. Mit Italien wurde nach einem ähnlichen Fall wie in den USA als erstes ein zwischenstaatlicher Vertrag geschlossen - der jetzt wohl als Muster dienen soll. Dem liegt ein grobes Missverständnis zugrunde und eine völlige Verkennung der Ausgangssituation.
Denn bei uns sieht die Szene ganz anders aus, wenn man so will, subsidiär. Hier ist es die Zivilgesellschaft, die selbst die Arbeit trägt, und sie kooperiert mit der Zivilgesellschaft in Belarus, die verzweifelt um ihr eigenes Überleben kämpft – und dass „Tschernobyl“ nicht in Vergessenheit gerät, nicht wieder die große Schweigezeit beginnt. In einer „Kasseler Erklärung“ haben Tschernobylinitiativen aus ganz Deutschland – von Rostock bis zum Bodensee, von Ostsachsen bis Ostfriesland – bei ihrer Jahrestagung in Kassel November 2008 deutlich ausgesprochen, dass sie keine staatliche Bevormundung brauchen und wollen, wohl aber, wenn nötig, umgehend eine angemessene politische Geschäftsgrundlage, die ihre internationale humanitäre Zusammenarbeit absichert und möglich macht, dass die Kinder auch 2009 reisen dürfen. Mandatsträger bis hin zur europäischen Ebene, der parlamentarischen Versammlung des Europarates, setzen sich ein – hier waren die niederländischen Freundinnen und Freunde sehr rührig -:  End the travel ban for  Chernobyl children. 

Schluß sein aber soll  - mit  der Zivilgesellschaft - zugleich mit "Tschernobyl". Die Zivilgesellschaft war es doch, die den „Schrei der Kinder von Tschernobyl“ weltweit zu Gehör brachte und hörte. Sie war es, die das Schweigen durchbrach. Wie heißt es dagegen wieder im Abschlussbericht 2006 der Internationalen Atomenergiebehörde: "Tschernobyl" war gar nicht so schlimm nur ein paar Tote, viel schlimmer seien die, die darüber reden. Eine neue Schweigezeit scheint angesagt, international und national verordnet.
Zug um Zug wurde und wird dies Programm in Belarus umgesetzt. Das "Sarggeld" und Vergünstigungen für die Menschen in den Zonen wurden gestrichen, wissenschaftliche Forschung zu „Tschernobyl“ und Wissenschaftler selbst zum Schweigen gebracht, in den Schulen fällt das Thema "Tschernobyl" weg, ein neues, ein eigenes  AKW ist geplant, u.a.m.. Wen wundert es, wenn auch Schluß sein soll mit den Kindern von "Tschernobyl", verrät doch schon der Name, worum es geht? (vgl. Dokumentation der Frankfurter Rundschau vom 15.04.1994: "Wenn die Kinder kommen, dann bringen sie eine Botschaft mit"). Alles ganz auf der Linie der Internationalen Atomenergiebehörde, die schon 1959 die Weltgesundheitsbehörde WHO vertraglich an sich gebunden hat und auf diese Weise Schluß machte und macht mit „Tschernobyl“ und unangenehmen Wahrheiten über die Folgen.
Das steht heute auf dem Spiel: Zivilgesellschaft und die Wahrheit über "Tschernobyl". Beides bedingt einander. Damit soll Schluß sein. Die Kindererholungsreisen - und das arme Kind, das in Amerika blieb - müssen dazu herhalten. Und sei es, daß darüber die unzähligen Friedens- und Versöhnungsbrücken von Mensch zu Mensch, Familie zu Familie, Ort zu Ort zwischen den Völkern Europas zerstört werden.
Wir hätten uns auch diesmal eine schnelle Reaktion aus Berlin gewünscht.. Seit September 2008 liegt der Vertragsentwurf aus Belarus vor, sind die präsidiaen Dekrete bekannt. Initiativen, die besorgt beim Auswärtigen Amt nachfragten, wurden und werden hingehalten. Mangelndes Krisenmanagement, fehlendes politisches Gespür? Schon dürfen die ersten Kindergruppen nicht ausreisen. Die bange Frage bleibt: werden sie 2009 kommen? Werden die zivilgesellschaftlichen Strukturen bis dahin gänzlich zerstört sein?
Dank sei den vielen, vielen Initiativen und besorgten Menschen gesagt, die nicht locker ließen zu fragen, zu bitten, die an ihre Mandatsträger herantraten. Dank den vielen Abgeordneten, die  sich eingesetzt haben. Nun scheint das Auswärtige Amt in Berlin doch aktiv zu werden. Eine klare  Positionierung ist nicht zu erkennen, aber in ersten Gesprächen, jetzt fast ein Vierteljahr später anlässlich eines Besuchs des weißrussischen Außenministers  in Berlin am 20.11.08 gehen Signale an die belarussische Seite aus, dass staatliche Knebelverträge und präsidiale Dekrete für die deutsche Seite nicht akzeptabel sind.  In Raum steht ein Vorschlag, die Neuregelung für das nächste halbe Jahr auszusetzen.  Andere Formen  zwischenstaatlicher Verständigung müssen gesucht werden mit dem Ziel dass die Kinder reisen können. Im Februar 08 soll ein Treffen der Außenminister Klarheit schaffen.
Nach wie vor aber sind die Tschernobylinitiativen gefordert.  Sie werden alle Vorbereitungen treffen, dass die Kinder auch 2009 kommen. Die Menschen in Weißrussland sollen wissen, dass die deutschen Freundinnen und Freunde an ihrer Seite stehen. Nun werden die Einladungen verschickt, werden die Fahrten und Programme organisiert Die informierte Öffentlichkeit kann kräftig mithelfen, daß die „Kinder von Tschernobyl“ auch 2009 herzlich in unserem Land willkommen sind.
Die Initiativen werden dies auch gegenüber den belarussischen staatlichen Stellern sehr deutlich machen, wie kostbar diese Art der Völkerverständigung in humanitärer Zusammenarbeit vieler Bürgerinnen und Bürger ist über Grenzen hinweg für die Kinder und unser aller Zukunft :
Den Kindern eine Zukunft  –  eine Chance dem Frieden.

Burkhard Homeyer, 1.Vors.


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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 26. Mai 2009 um 14:43 Uhr
 
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