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Laudatio von Prof. Dr. Rita Süssmuth zur "Frau Europas - 2011" PDF Drucken E-Mail
Berichte & Reportagen
Mittwoch, den 14. Dezember 2011 um 21:00 Uhr

Prof. Dr. Rita Süssmuth


Meine sehr verehrten Damen und Herren,
liebe Preisträgerin,

es lst mir eine große Freude, als Ehrenpräsidentin des Netzwerks Europäische Bewegung Deutschland (EBD) eine Laudatio für die diesjährige Preisträgerin zu halten und lhr anschließend mit Frau Männle und Frau lrina Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein den Preis für,,Frau Europas - Deutschland 2011" verleihen zu dürfen. An dieser Stelle möchte ich mich vor allem bei Women in Leadership Europe bedanken, die uns heute diesen Abend ermöglicht haben. 

Die Auszeichnung mit diesem Preis würdigt Frauen, die sich durch ihr ehrenamtliches gesellschaftliches Engagement in besonderer Weise für das Zusammenwachsen und die Festigung eines vereinten Europas einsetzen.

Nach Ansicht der Jury liegt die Auswahl der Preisträgerin mit ihrer lnitiative unter anderem darin begründet, dass ihr beispielloses, viele Tausende Menschen vernetzendes bürgerschaftliches Engagement zwischen Weißrussland und Westeuropa -allen voran Deutschland- ein einzigartiger Brückenbau zwischen Menschen und Menschen um der Menschlichkeit willen ist. Ungeachtet der eigenen Sicherheit in einem diktatorischen System und über die ldeologiegrenzen hinweg bis heute, obwohl sie mittlenrueile aus dem Exil in Berlin agieren muss, setzt sie ihre Tätigkeiten fort.

Wir ehren heute Frau lrina Gruschewaja!

Wir alle sind heute und hier zusammengekommen, um eine Frau zu ehren, die sich dem Ehrenamt verschrieben hat und dieses durch ihr ganz persönliches Tun, ja bildlich gesprochen, lebt. lrina Gruschewaja ist zu einer lnstitution geworden und so war es nur folgerichtig, dass das Netzwerk Europäische Bewegung Deutschland ihr in Anerkennung und Würdigung ihres langjährigen zivilen Engagement infolge der Atomreaktor-Katastrophe von Tschernobyl und ihren Einsatz für die Entwicklung von Demokratie und Zivilgesellschaft in Belarus und insbesondere ihrer lnitiative mit dem Titel ,,Den Kindern von Tschernobyl" den Preis ,,Frau Europas 2011" zuerkennt. Bevor wir ihr den Preis aushändigen, gestatten Sie mir zunächst auf einige Stationen des Lebens und Wirkens von lrina Gruschewaja einzugehen, da diese " sehr schön unterstreichen, was Frau Gruschewaja in ihrem Leben so auszeichnet und aus welchem Grunde Sie den Preis erhält.

Am 1.9.1948 wurden Sie verehrte Frau Gruschewaja in Simferpol, einer Staät auf der Krim, geboren. Sie verbrachten dort ihre Kindheit und wechselten 1966 nach Abschluss der Mittelschule nach Minsk, um als Studentin an der Minsker Pädagogischen Hochschule für Fremdsprachen Germanistik studieren zu können. Nach lhrem Abschluss begannen Sie 1971 als Assistentin am Lehrstuhl für Deutsch zu arbeiten. lhren wissenschaftlichen Laufbahn verfolgten Sie weiterhin in den Jahren von 1978 bis 1982 als Doktorandin für Germanistik im Fernstudium und erhielten 1982 lhren Doktotlitel. lm Jahre 1989 wurde ihnen der Dozententitel zuerkannt. Bis 1992 blieben Sie wissenschaftlich aktiv.

Vor 25 Jahren - am 26. April 1986 - geschah etwas, was als unmöglich galt. Ein Atomreaktor explodierte im ukrainischen Tschernobyl. Das benachbarte Belarus war am stärksten vom radioaktiven Fall-out betroffen. Lediglich wusste das dort niemand. Auch die westliche Welt erfuhr nur durch einen Zufall von der Katastrophe.

lm Anblick des Tschernobyl-Desasters standen Menschen auf, Betroffene und Engagierte durchbrachen die Mauer des Schweigens und begannen zu kämpfen ft'rr das Leben, die Zukunft, für eine Alternative der Humanität. Tschernobyl wurde nicht nur als technisches Desaster begriffen, sondern zugleich als eine politische Katastrophe. lm Zuge von Glasnost und Perestroika formierte sich auch in Belarus eine demokratische Volksbewegung, die ,,Volksfront". lm FrÜhjahr 1989 gründete die weißrussische Bürgerrechtlerin lrina Gruschewaja gemeinsam mit ihrem Mann Professor Dr. Gennadij Gruschewoj und mit anderen Engagierten im Rahmen der Volksfront die erste Bürgerinitiative mit, dem Komitee: ,,Kinder von Tschernobyl", um dieses Desaster etwas zu minimieren. lhr Ziel war es auch, eine politische Wende herbeizuführen und das sowjetische System zu protestieren, das die Folgen von Tschernobyl verheimlichte. Eineinhalb Jahre lang musste diese lnitiative praktisch illegal arbeiten. Aber trotz allen Widerständen konnten viele zivilgesellschaftliche Aktionen und soziale Einrichtungen in den verstrahlten Gebieten in Gang gebracht werden. Erst 1990 wurde das Komitee als weißrussische gemeinnützige Stiftung ,,Den Kindern von Tschernobyl" durch das Justizministerium offiziell registriert. Von ihren Anfängen an stand und steht die Stiftung als eine zivilgesellschaftliche Bewegung gegen Unterdrückung und für eine freie Bewegung der Menschen.

Das Paar bewies Mut und Durchhaltevermögen, in dem sie, im damals noch sowjetischen Belarus lnitiativen oder Vereine unbekannt und unerhört waren, ohne rechtlichen Background, ohne Büroräume oder finanzielle Mittel Auslandsreisen für Kinder aus verstrahlten Gebieten + organisierten. Seither konnten, ich unterstreiche, mehr als eine halbe Million Tschernobyl-Kinder - Erst-Opfer und Spätfolge-Opfer - auf Erholungs- und Gesundungsreisen nach Westeuropa kommen - vor allem nach Deutschland.

Durch Gruschewajas unermüdlichen tatkräftigen Einsatz - von der konkreten Reise-Organisation über Vortragsreisen bis hin zum Kontakteknüpfen und Türen-Öffnen - hat sich die belarussische lnitiative zu einer internationalen lnitiative entwickelt. lnzwischen machen sich heute in Deutschland hunderte zivilgesellschaftliche Tschernobyl lnitiativen stark für die Kinder (und mittlenrueile Kindeskinder) der Atom-Katastrophe. Sie haben sich zusammengeschlossen zur Bundesarbeitsgemeinschaft ,,Den Kindern von Tschernobyl".

Die von Gruschewaja initiierte belarussisch-deutsche Brücke im Namen der Menschlichkeit hilft schon lange nicht mehr nur den Tschernobyl-Kindern. Die zivilgesellschaftliche Menschenrechtsinitiative umfasst mittlerweile soziale Projekte weit darüber hinaus. Es hat sich zu einem beispiellosen Bildungs- und Begegnungswerk in Belarus entwickelt, das unter anderem Jugendfestivals, eine Beratungsstelle für Frauen und Mädchen; ein Club für alte Menschen, die aus ihrer Heimat bei Tschernobyl in gesichtslose Plattenbauten in Minsk umgepflanzt wurden, Diabetesschulen für Kinder und Jugendliche, Behinderten Selbsthilfegruppen, Konferenzen, Friedensarbeit am Versöhnungsgedanken infolge der Weltkriegs-Gräuel anbietet.

Besonders hervorheben möchte ich, dass Gruschewajas Projekte auch Ausdruck des zivilen Ungehorsams und Widerstandes geworden sind, denn hier wird soziales Engagement frei und ohne Einmischung des Staates gelebt.

Dieses Bollwerk ungekannten bürgerschaftlichen humanitären Engagements mit der potenten Unterstützung der deutschen Zivilgesellschaft war und ist dem belarussischen Staat, der letzten Diktatur Europas, ein Dorn im Auge. Schikanen begleiten die Hilfsinitiativen seit Anbeginn und zwangen die Aktivistin und ihren Mann auch schon einmal, in den Jahren von 1997-1998 ins Exil nach Deutschland zu gehen. Soziales und bürgerschaftliches Engagement gilt in Weißrussland bis heute insgeheim als staatsfeindlich - noch dazu rund um die Tschernobyl-Thematik, die immer noch weitgehend negiert wird.

Sie knüpft Kontakte in Deutschland, Österreich, Norwegen, Schottland, Italien, Tschechien, Polen, Rumänien, der Schweiz und den Niederlanden.

lrina Gruschewaja lebt seit drei Jahren aus Sicherheitsgründen in Berlin. Von hier aus setzt sie ihre Arbeit für und in Belarus fort, pflegt Kontakte mit ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern in Belarus und in West-Europa und organisiert weiterhin Projekte, die in Belarus nach wie vor hart am Rande der Legalität durchgeführt werden.

lhre Ansicht bezüglich lhres Engagements hatte mal Frau Gruschewaja in lhrem Vortrag vor dem Ökumenischen Forum 1995 in Kreta mit den Worten von Waclav Havel beründet:

,,Die Hoffnung, im Gegensatz z'um Optimismus, ist nicht die Erwartung, dass es gut ausgeht, sondern das Engagement in Gewissheit, dass es Sinn hat, egal wie es ausgeht."

Mit ihrem unermüdlichen Einsatz in Form von zahllosen Vorträgen in Konferenzen und Treffen hat sie dazu beigetragen, dass das Thema ,,Tschernobyl" nicht vergessen wird. Das zivilgesellschaftliche Engagement betrachtet sie nur als Teil einer großen politischen Arbeit für Demokratie, für Menschenrechte und Frieden, gegen die Atomkraft das ist lrina Gruschewaja.

Mogen noch lange lhre unermüdlichen tatkräftigen Einsätze weiterbestehen.

lch danke lhnen!

Darf ich nun Frau lrina Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein und Frau Männle auf die Btthne bitten, um den Preis an Frau Gruschewaja überreichen zu können.

 
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