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Berichte & Reportagen
Samstag, den 07. Februar 2009 um 21:46 Uhr
IPPNW-Presseinfo 6.2.2009

Atomlobby baut seit 20 Jahren Potemkinsche Dörfer

IPPNW: Alternative liegt im dezentralen Ausbau Erneuerbarer Energien

Angesichts des Beschlusses der schwedischen Regierung, bestehende alte Atomkraftwerke durch neue ersetzen zu wollen, weist die atomkritische Ärzteorganisation darauf hin, dass sich dadurch an der geringen Bedeutung der Kernenergie für die Energieversorgung nicht das Geringste ändert. „Wir kennen das seit 20 Jahren. Immer wieder kündigt die eine oder andere Regierung an, wieder ganz groß in die Atomenergie einsteigen zu wollen. Das führt dann allenfalls zum Ergebnis, dass wie in Finnland an einem einzigen Atomkraftwerk 10 Jahre lang herumgedoktert wird, während in der gleichen Zeit die zigfache Kapazität an Erneuerbaren Energieanlagen aufgebaut wird“, so Henrik Paulitz, Energie-Experte der IPPNW.
"Die Atomlobby baut mit ihrem millionenschweren Werbeetat seit 20 Jahren vornehmlich Potemkinsche Dörfer. Wir haben es hier mit einer konstruierten Wirklichkeit zu tun, die einer nüchternen Analyse nicht Stand hält."

Die Zahl der weltweit betriebenen Atomkraftwerke ist seit Jahren rückläufig. Im Jahr 2008 ging weltweit nicht ein einziges Atomkraftwerk ans Netz, die Zahl der Anlagen sank weiter auf 438. Nach den Zahlen der Internationalen Energie-Agentur ("Key World Energy Statistics 2008") produzierte die Atomenergie im Jahr 2006 rund 2793 Terrawattstunden (TWh) Strom, während die Wasserkraft 3121 TWh Strom lieferte. Der Wasserkraft-Anteil an der weltweiten Energieversorgung liegt bei 2,2%, der der Atomenergie bei gerade mal 2%. "Das zeigt: Die Atomenergie ist eine für die Energieversorgung der Menschheit praktisch bedeutungslose 2%-Technik. Die Atomlobby macht immer so viel Aufhebens, weil sie den falschen Eindruck erwecken möchte, als könne man ohne Atomstrom nicht auskommen", so Paulitz.

Die IPPNW fordert die Atomindustrie auf, nüchtern darzulegen, wie sie mit ihrer 2%-Technik die Energieversorgung der Menschheit sicherstellen und das Klima retten will. Die Atomlobby soll erklären, mit welchen Energietechniken die übrigen 98% der benötigten Energie bereitgestellt werden sollen. "Die Antwort der Energiekonzerne ist bekannt: Während sie ihre Atomkraftwerke mit dem Klimaargument anpreisen, wollen sie zugleich neue Gas  und Kohlekraftwerke errichten, weil sie mit ihren 2% Atomstrom nicht weit kommen. Mit Klimaschutz und Ressourcenschonung hat das allerdings nichts zu tun."

Die wirkliche Alternative liegt im weiteren dezentralen Ausbau der Erneuerbaren Energien. Diese tragen schon heute mit rund 18% zur Weltenergieversorgung bei. „Kaum jemand zweifelt noch daran, dass die Erneuerbaren Energien in einem überschaubaren Zeitraum das fossil-atomare Energiesystem zu 100% ablösen werden. Allein schon die zunehmende Verknappung der umkämpften fossilen Energiequellen zwingt zum Umstieg auf 100% Erneuerbare Energie. 75  Staaten aus aller Welt haben am 27. Januar 2009 in Bonn die Internationale Agentur für Erneuerbare Energie (IRENA) gegründet, darunter der Atomstaat Frankreich und zahlreiche erdöl-exportierende Länder aus dem arabischen Raum, aus Afrika und aus Lateinamerika.

Auch in Deutschland treibt die Erneuerbare-Energien-Branche mit ihren bislang 250.000 Beschäftigten den Ausbau der Erneuerbaren Energien unaufhörlich voran. Die derzeit in Deutschland installierten Windenergieanlagen produzieren zeitweise schon mehr Strom als die deutschen Atomkraftwerke. Die Erneuerbaren Energien tragen schon zu über 15% zur Stromerzeugung Deutschlands bei. Würden insbesondere die Unions-regierten Länder wie Hessen, Bayern und Baden-Württemberg die systematische Behinderung der Wind- und Solarenergie endlich beenden, dann könnte Deutschlands Strom schon in wenigen Jahren zu 100% durch Erneuerbare Energieanlagen erzeugt werden.

Kontakt: Henrik Paulitz, Tel. 0032-2-230 75 77 (IPPNW Energie-Büro Brüssel), Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW), Körtestr. 10, 10967 Berlin, www.ippnw.de, Email: ippnw[at]ippnw.de
 
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