26 | 07 | 2017
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Wichtige Hinweise

20.10.2012


Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.
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Tel.: 0721 354806-130
Fax: 0721 354806-181
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Internationale Freiwillige können sich für 12 Monate in einer sozialen Einrichtung in Deutschland engagieren.
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21.09.2010
Verstrahlte Pfifferlinge im Handel entdeckt
Pfifferlinge aus Osteuropa sind manchmal strahlenbelastet.
Verstrahlte Pfifferlinge im Handel entdeckt
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29.03.2009
Der Reaktor lebt und tötet weiter

London (dpa) Auch mehr als 20 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl dezimiert die radioaktive Strahlung die Zahl der Insekten in der Region. Das hat eine Zählung bei Hummeln, Schmetterlingen, Libellen und Grashüpfern gezeigt.


17.02.2009
Lost Paradise
Ein neuer Film von Stefan Heinzel (89 Millimeter)


07.02.2009
IPPNW Presseinfo 06.02.2009
Atomlobby baut seit 20 Jahren Potemkische Dörfer


24.12.2008
Praxis der Visumsvergabe an der Deutschen Botschaft in Minsk, Belarus
Kleine Anfrage der Abgeordneten Marieluise Beck Bündnis 90/Die Grünen (Bremen)
PDF (2,4 MB)


10.04.2008
NRW-Landesversicherungen für das Ehrenamt


16.01.2007
Infos Reisen und Hilfslieferungen
Transit Polen nach Belarus.

Die Jeans-Bewegung PDF Drucken E-Mail
Berichte & Reportagen
Montag, den 21. April 2008 um 15:37 Uhr

WEISSRUSSLANDS JUGEND GIBT NICHT AUF: GEHT MAN DURCH DIE STRASSEN VON MINSK; SIEHT MAN VIELE JUGENDLICHE MIT WEISS-ROT-WEISSEN BUTTONS AN IHREN TASCHEN JACKEN ODER T-SCHIRTS: AUF IHNENSTEHT „ ZA SVABODU – FÜR DIE FREIHEIT“

Im April berichtete provo über Jugendlichen in Weißrussland, die nach der Fälschung der Präsidentschaftswahlen tagelang in Eiseskälte für Freiheit und Demokratie demonstrierten. Auf dem Oktoberplatz der Hauptstadt Minsk errichteten sie ein Freiheitscamp aus Dutzenden Zelten. Doch nach einigen Tagen beendeten Sondereinheiten der Miliz auf Befehl von Diktator Alexander Lukaschenko die friedlichen Proteste und lösten das Zeltlager gewaltsam auf. Im März 2006 wurden in »Europas letzter Diktatur«, wie Belarus seit Langem genannt wird, über 1000 Menschen verhaftet, nur weil sie friedlich demonstrierten und frei ihre Meinung sagten. Die Weltöffentlichkeit lenkte ihre Aufmerksamkeit für einige Tage auf das Land, das zwar mitten in Europa liegt, aber vielen doch so unbekannt ist Seitdem sind etliche Monate vergangen, und andere Themen beherrschen die Nachrichten. An der besorgniserregenden Situation in Weißrussland aber änderte sich seitdem wenig. Provo hat einige der Jugendlichen, die im März protestiert haben, wiedergetroffen und lässt sie hier zu Wort kommen.

Dimitri,ein Mitglied des verbotenen Studentenverbandes BSA, harrte im März tagelang auf dem Oktoberplatz aus. Als die Miliz das Zeltlager stürmte, wurde er mit über 300 anderen Menschen festgenommen und in einem Schnellverfahren zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt. Anders, als man vielleicht erwarten würde, beschreibt er seine Haft als wichtige Erfahrung. »Die Zeit im Gefängnis hat mich verändert und mutiger gemacht. Beim nächsten Mal wird es mir nun sogar leichter fallen, an Protesten teilzunehmen«, erzählt er. Nach seiner Freilassung rechnete Maxim mit dem Universitätsausschluss, Doch anders als hunderte oppositionelle Studenten wurde er bisher nicht exmatrikuliert. Glück hatte auch Sergey, der sein Kunststudium trotz der Teilnahme an den Protesten fortsetzen konnte. Auch er wurde bei der Erstürmung des Zeltlagers festgenommen und für 15 Tage inhaftiert. Wie Dimitri bereut er nichts:.»Es ist leichter im Gefängnis zu sein, wenn man weiß, dass man das Richtige getan hat. Als wir nach 15 Tagen um drei Uhr nachts wieder freigelassen wurden, warteten vor dem Gefängnis unsere Freunde und Familien. Es war eine Atmosphäre wie bei einem Empfang von Helden.«Sergey ist der festen Überzeugung, dass sich durch die Proteste etwas geändert hat: »Aber es ist ein längerer Prozess, diejenigen zu überzeugen, die noch hinter Lukaschenko stehen. Die 30 Prozent, die schon heute gegen Lu­kaschenko sind, müssen eine Möglichkeit der Mitwirkung, z. B. im Parlament, bekommen. Wenn wir 30 Prozent sind, müssen wir auch zu 30 Prozent in den Medien und im TV erscheinen.« Genau dies wird das Regime aus Angst vor einer kritischen Masse jedoch nicht zulassen. Entscheidend wird deshalb sein, dass sich mehr und mehr Menschen der weißrussischen Demokratiebewegung anschließen. Wie viele andere bewundert auch Sergey deren Führer, Alexander Milinkewisch.

»Ich bin stolz, dass es Leute wie ihn gibt, die sich trotz der Gefahr engagieren, und dass er in sich die Kraft gefunden hat, die Proteste zu führen. Er hat auch mich zum Mitmachen bewegt. Doch braucht es wohl noch viel Zeit, bis es den Leuten nicht nur um ihr Essen, sondern auch um Freiheit und Demokratie geht.« Nach der Zerschlagung oppositioneller Strukturen Ende der Neunzigerjahre wird nun verstärkt ein landesweites Netzwerk demokratischer Kräfte aufgebaut, um freie Informationen zu verbreiten. Nach Vorbild der polnischen Solidarnosc-Gewerkschaft der Achtzigerjahre sollen so Menschenmassen für eine Freiheitsbewegung mobilisiert werden, um das Regime zu einem offenen Dialog zu zwingen.
Viele der jungen Dissidenten mussten das Land nach Studienverboten jedoch vorerst verlassen -und werden in ihren Organisationen nun schmerzlich vermisst. Tanja, Mitglied der BSA, war zu Beginn des Sommers regelrecht geschockt über den Verlust von Aktivisten: »Gerade die Engagiertesten wollten Belarus nicht verlassen, doch nach ihrer Exmatrikulation wegen der Teilnahme an den Protesten mussten sie notgedrungen ins Ausland.«Viele Staaten ermöglichen verfolgten Studenten die Fortführung ihres Studiums. Allein Polen stellte bisher 230 Studienplätze zur Verfügung, die Ukraine über 70. Allerdings gehen der weißrussischen Demokratiebewegung auf diese Weise viele Unterstützer verloren, während sich das Regime über einige unbequeme Widersacher weniger freut. So bedauert nicht nur Tanja, dass es neben den Auslandsstipendien bisher kaum Möglichkeiten für Fernstudiengänge gibt. Für die nähere Zukunft rechnet auch sie damit, dass die neu formierte Demokratiebewegung noch Zeit braucht um die Massen zu mobilisieren: »Durch die März-Proteste und das, was die Menschen auf dem Oktoberplatz sehen und erleben konnten, ist die Zahl der Regimegegner gewachsen. Die Idee, die alle Menschen verbindet, ist die Freiheit. Gerade neue Initiativen wie das Jeans-Fest sind dabei interessant für neue Aktivisten.« Den Organisatoren jenes Jeans-Festes gelang es am 16. September, zehntausend meist junge Leute zu einem Konzert und Protest-Event neuer Art zu mobilisieren. Musiker, Künstler, politische Redner und DJs wechselten sich dabei auf der Bühne ab. Banner, Schleifen und Armbinden aus Jeans dienten als Zeichen des Widerstands gegen die letzte Diktatur Europas. Hinter dem Jeans-Fest steht die frühere Zubr-Bewegung, die sich im April formal auflöste und sich nun als Teil der vereinten Demokratiebewegung sieht. Alexander, ein Koordinator der jetzigen Jeans-Bewegung, die aus Sicherheitsgründen bisher weder Namen noch Führer hat, hält die kommenden Monate für sehr wichtig: »Die Situation ist nicht stabil, und man könnte das Regime überwinden. Die Menschen sind nicht mehr so ängstlich wie früher. Wir sagen vielen: Verlasst Belarus jetzt nicht, sondern bleibt hier, um die Situation mit uns zusammen innerhalb des nächsten Jahres zu ändern. Ich konnte als Koordinator innerhalb eines Monats schon 20 neue Aktivisten gewinnen, die jetzt wiederum selbst Koordinatoren werden, ,um neue Leute zu mobilisieren.« Das Jeans-Fest galt so auch als Startpunkt einer Mobilisierungskampagne, die möglichst bald in eine friedliche Revolution münden soll. Eines jedoch hat sich seit den März-Protesten schon heute geändert. Geht man durch die Straßen von Minsk, sieht man viele Jugendliche mit weiß-rot-weißen Buttons an ihren Taschen, Jacken oder T-Shirts. Auf ihnen steht »Za Svabodu - Für die Freiheit«.

JOHANNES MÜLLER
Publik-Forum, Nr. 23, 01.12.86

 
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