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„In Tschernobyl begann eine neue Zeitrechnung“ - Erinnerungen an den 26. April 1986 PDF Drucken E-Mail
Berichte & Reportagen
Montag, den 21. April 2008 um 15:33 Uhr

Die GZ hat GRÜNE verschiedener Altersstufen nach ihren persönlichen Eindrücken und Erinnerungen aus der Zeit der Tschernobyl-Katastrophe gefragt.

Dr. Wilhelm Knabe, Grüne Alte
Tschernobyl war ein Lehrstück, wie Regierungen und Behörden auf Unfälle in Kernkraftwerken reagieren. Nach einer Anhörung im Landtag zu den Risken der friedlichen Nutzung der Kernkraft 1976 wurde ich zur neu gegründeten Landesanstalt für Ökologie versetzt. Für meinen Aufgabenbereich, „Belastung von Ökosystemen“, richtete ich ein chemisches und ein radioökologisches Labor ein und konnte einen Chemiker und Physikingenieur einstellen. Ich dachte, wir müssen doch vorbereitet sein, wenn es zu einem Gau kommt. Doch radiologische Untersuchungen wurden mir kurz darauf untersagt. Erst Jahre später wurde mir die Untersuchung der Filterwirkung des Waldes gegen radioaktive Luftverunreinigungen gestattet. Wir waren die einzigen, die so schon vor dem Unfall über Messreihen in verschiedenen Wäldern verfügten. 
Gespannt warteten wir nach der Katastrophe in Tschernobyl, ob die Wolke bis zu uns vordrang. Als am 2. Mai 1986 die auf dem Dach der Landesanstalt für Ökologie in Recklinghausen gesammelten Staubproben extreme Aktivitäten zeigten, meldete ich dies dem Präsidenten. „“Schlimm, schlimm“, meinte der, aber für die von mir vorgeschlagene Benachrichtigung der Öffentlichkeit hatte er nichts übrig. „Das ist nicht unsere Aufgabe.“
Als Messungen der Radioaktivität von Gartengewächsen ebenfalls hohe Werte anzeigten, wurden weitere Messungen sowie jede Weitergabe vorhandener Messwerte strikt untersagt und nach außen und sogar im Kreistag glatt geleugnet, dass die Landesanstalt für Ökologie überhaupt Messungen durchgeführt hatte. Das ist meine Erfahrung mit der Reaktion deutscher Behörden im Ernstfall. Das war zutiefst deprimierend.

Bärbel Höhn, MdB 
Die Informationspolitik war unverantwortlich. Ende April 1986 war die große Veranstaltung „Rhein in Flammen“. Hunderttausende von Menschen säumten die Ufer, beobachteten die Feuerwerke und standen stundenlang im Freien. Diese Menschen wussten nicht, dass wenige Tage vorher ein Supergau im Atomkraftwerk von Tschernobyl stattgefunden hatte. Erst als in Skandinavien erhöhte Radioaktivität gemeldet wurde, kamen die Tatsachen peu à peu ans Tageslicht. Noch heute nach 20 Jahren ist Wildschweinfleisch aus der Senne (2000 km entfernt) so mit Caesium von Tschernobyl verseucht, dass es nicht gegessen werden darf.

Rüdiger Sagel, MdL 
Die radioaktive Wolke beim Grünen NRW-Parteitag
Die Schlacht um Brokdorf war geschlagen und auch die Freie Republik Wendland war nur noch ein Ereignis in der Anti-Atom-Bewegung und ein Teil meiner Geschichte, als uns die Katastrophe von Tschernobyl ereilte. 1986 tobte in NRW die Auseinandersetzung um Braunkohletagebaue wie Hambach oder Garzweiler II, der damals noch Frimmersdorf West-West hieß. Als Mitglied der Hambach Gruppe Aachen und noch nicht Grüner, war ich an dem Wochenende des Tschernobyl-Unfalls mit unserer Braunkohle-Wanderausstellung, die über die ökologischen und sozialen Probleme informierte und die Joseph Beuys finanziert hatte, auf dem Landesparteitag der Grünen in Hamm. Den ganzen Tag in der Halle und am Infostand hatte ich gar nicht mitbekommen, dass die radioaktive Wolke aus der Ukraine jetzt auch in Richtung West-Deutschland gezogen war. Mit einigen Freunden ging ich darum nichts ahnend durch den abendlichen Nieselregen in ein Restaurant der Stadt. Greenpeace veröffentlichte einige Zeit später Messergebnisse aus Hamm, die belegten, dass die Betreiber des dortigen Hochtemperaturreaktors zudem radioaktive Luft abgelassen hatten.

Johanna Beesten, Grüne Jugend 
Ich war gerade mit meinen Eltern zusammen in Portugal im Urlaub als es passierte. Da ich zu dieser Zeit erst 3 ½ Jahre alt war, habe ich nicht viel davon verstanden. Aber woran ich mich noch ganz genau erinnern kann, ist die unglaublich große Angst die meine Eltern, insbesondere meine Mutter, hatten. Mich hat das als Kind so stark betroffen, das ich auch Jahre danach oft nicht einschlafen konnte, da ich Angst hatte, dass ein AKW explodiert. Genau wusste ich nicht was das bedeuten würde – nur dass es ganz schrecklich sein musste, wenn meine Eltern so große Angst davor hatten.

Willibald Kunisch, Kalkar 
Wie Sternschnuppen kamen die bruchstückhaften Informationen über uns hernieder. Die ersten Informationen aus finnisch/schwedischen Stationen drangen wie von Ferne an unser Ohr. Sie beunruhigten, machten aber noch keine Angst. Bis Anfang Mai jedem klar wurde: Hier passierte das, was nur alle paar tausend Jahre passieren sollte. Es packte uns eine hilflose Wut. Viele flohen vor der „Wolke“ – auch in den Urlaub. Die Erkenntnis kam später, es konnte ihr niemand entfliehen. 
Doch es stellte sich kein „Sieggefühl“ ein, eher eine innere Genugtuung: Die ist das Aus für den Schnellen Brüter. Wir, als Initiative, bekamen zu unseren Aktionen viel Zulauf. Es fanden wieder die Sonntagsspaziergänge statt – diesmal aber mit vielen Familien. Menschen trauten sich zu demonstrieren, die wir sonst nicht sahen. Gruppen organisierten die Versorgung mit belastungsarmen Lebensmitteln. Die letzte große Demo gegen den Brüter fand am Fronleichnamstag statt. 
Aber auch dies gab es: Eine Kalkarer Geschäftsfrau sprach sich nach dieser Katastrophe öffentlich für ein Ende des Brüters aus. Ihr Geschäft wurde daraufhin boykottiert. Geschehen 1986.

Ellen Brouns
Tschernobyl – für mich ein Ereignis, was sehr lange zurück liegt. Grund dafür ist sicher nicht nur, dass seitdem zwanzig Jahre vergangen sind. Vielmehr mein junges Alter von 11 Jahren zu diesem Zeitpunkt. Damals war sowohl mein Interesse als auch mein Wissen an und von solchen Ereignissen begrenzt. Das einzige, was mir bis heute in Erinnerung geblieben ist, ist ein Gespräch mit einer guten Freundin, die zu diesen Tagen draußen im Regen gespielt hat. Wir waren besorgt, welche gesundheitlichen Folgen das nun für sie haben könnte und niemand konnte uns das wirklich sagen.

 
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